Von geblümten Kühen und feschen Sennerinnen
Der 14. Almabtrieb in Bad Kleinkirchheim
Das Erntedankfest der Bauern wurde auch heuer wieder traditionell am zweiten Septemberwochenende in Bad Kleinkirchheim gefeiert. Es ist, als ob die Zeit stehen geblieben wäre. Uraltes österreichisches Brauchtum zum Angreifen, mitten im Urlaubsort Bad Kleinkirchheim.
Der Sommer in den Nockbergen war für Mensch und Tier auch in diesem Jahr wieder eine traumhafte, wohl aber auch beschwerliche Zeit. Täglich um halb fünf Uhr morgens aufstehen die Kühe melken und dann auf die Weiden schicken, ist nichts für Langschläfer. Trotzdem wollen Senner, wie Elmar von der Wollitzen Hütte und Sennerinnen wie Edeltraud von der Tangener Hütte niemals tauschen-es ist eine Berufung für sie, kein Beruf.
Nachbarschaftshilfe
Im September ist es dann so weit. Die Hütte wird beim „Kehraus“ geputzt, die Tiere zusammengetrieben. So wie früher helfen auch heute noch immer alle mit. Nach einem zünftigen Bauernfrühstück mit Frigga – einer Kärntner Eierspeise mit Speck, Käse und Erdäpfeln beginnt der beschwerliche Weg ins Tal. Eine ganze Kuhherde von den Nockbergen hinunter zu bringen, ist eine logistische Meisterleistung. Und jedes Jahr wird sie seit dem frühen 19. Jahrhundert mit Bravour gemeistert.
Von Schmalz-Bleaml, Manterlkraut und Glöckerl
Die Bauernregel gilt auch im 21. Jahrhundert noch: So lange die Schmalz-Bleamlan (Butterblumen) und das Manterlkraut (Frauenmantel) auf der Alm blühen, ist genug Gras für die Kühe da. Doch taucht erst mal der „Milchdieb“ (Augentrost) auf, wird es Zeit die Alm zu verlassen. So geschehen am 8. September. An diesem Tag haben sich auch heuer wieder alle Bauersfamilien, Sennerinnen und Senner getroffen, um mit ihrem Vieh Richtung Tal zu marschieren. Unsere Kühe und Kälber waren mittendrin und nahmen Abschied vom ereignisreichen Almsommer. Von der Wolitzen Alm ging es zunächst nach St. Oswald, wo die Kühe mit wunderschönen, traditionellen Blumengebinden geschmückt wurden.
Aufkranzen und Blumenbindl
Auch in diesem Jahr wurde die Glockkuh, also die erfahrenste Kuh, wieder kunstvoll „aufkranzt“, also geschmückt. Mit dem Stirnbörtl (Spiegel) auf ihrer Stirn, verziert mit zahlreichen Almblumen und bunten Bändern, führte die Leitkuh ihre Herde bis nach Bad Kleinkirchheim. Dort wurden sie, die restliche Herde sowie die Bauersleut‘ mit großem Beifall und von der Blaskapelle Bad Kleinkirchheim begrüßt.
Gsungen und gspielt
Begleitet wurde der traditionelle Kirchheimer Almabtrieb in den Kärntner Nockbergen mit jeder Menge Musik. Auf dem Bauernmarkt wurden heimische, selbst gemachte Produkte feilgeboten. Auch Kinder hatten tierischen Spaß beim bunten Kinderprogramm auf der Festwiese. „Als ob’s der Herrgott gwusst hätt‘, hat die Sonne den ganzen Tag gescheint“, meinte ein strahlender Senner am Fest. Vom Almabtrieb über die Segnung der Tiere bis hin zur amerikanischen Versteigerung eines Kalbes für einen sozialen Zweck.
Für die Tiere startet jetzt die ruhige Zeit im Stall, bis sie im nächsten Frühling wieder auf die saftigen Weiden der Nockberge dürfen.
Bildquelle: badkleinkirchheim.at
Verfasst von Karoline Friesacher
Karoline ist Chefreceptionistin der Thermenwelt Hotel Pulverer und schreibt für Sie über Interessantes, Wissenwertes und Tipps rund um Therme und Kulinarik.
Karoline Friesacher auf Google+
Es war wirklich ein schönes Fest! Es ist schon erstaunlich welch Energie die Kühe und vor allem die Kälber nach so einem Marsch noch entwickeln können und den Endspurt nehmen. Wir freuen uns schon auf kommendes Jahr. Liebe Grüße aus Wien Thomas
[...] Pulverer Kühe und Kälber (im Moment 16 Tiere) Ende Mai bzw. Anfang Juni ihr Almquartier bis zum Abtrieb Anfang September [...]